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Gutes von oben

Neue Pressmaschine kommt mit 44 Tonnen durchs Hallendach

Als, wie jeden Mittwoch, am 8. Mai 2019 gegen halb zehn das Auto von Bäcker Zimmer aus Kall bei kaltem Nieselregen auf das Betriebsgelände der PZ Friction fahren will, um belegte Brötchen und süße Teilchen an die Belegschaft zu verkaufen, staunt der Fahrer nicht schlecht. Fast der ganze Hof vor der Fabrikationshalle ist belegt von einem Schwertransporter und einem riesigen Kran.

Ein besonderes Spektakel hält die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Atem, die zum Teil gespannt in den Himmel schauen oder von draußen nach drinnen und wieder zurücklaufen. Parkplätze? Fehlanzeige.

Mit Präzision zum neuen Einsatzort

Schon um halb sechs in der Früh ist der Kran aufgestellt worden, an dessen Haken ein paar Stunden später ein heikles Gewicht baumeln wird: die neue Pressmaschine mit 1.000 Tonnen Presskraft zur Herstellung von Belägen für Bremsen, Kupplungen und Gleitlager, die durch das zuvor abgedeckte Dach der Maschinenhalle an ihrem neuen Standort platziert werden soll.

Präzision ist gefragt, um die Presse mit ihren 44 Tonnen Gewicht sicher durch das Loch im Dach genau auf den vier markierten Feldern im Inneren der Halle abzustellen. Das geht nicht ohne Hilfe, und so wird die Maschine mit Gurten umschlungen und von zwei Mitarbeitern in Position gebracht, während der Kran sie Zentimeter um Zentimeter immer weiter nach unten lässt. Ein bisschen bange kann einem schon werden, wenn man sieht, wie nah die Füße der Mitarbeiter, die jetzt auch zur exakten Positionierung zu Hilfe genommen werden, den Standbeinen der Presse kommen. Unter 44.000 Kilogramm zieht man so schnell keinen Fuß heraus. Aber hier sind schließlich Profis am Werk, die sich mit der Sicherheit gut auskennen, und so geht alles ganz glatt, bis „die Neue“ schließlich auf dem Boden aufsetzt.

Eine logistische Herausforderung

„Touchdown“ platzt es da aus Klaus-Peter Sauren heraus. Der Geschäftsführer von PZ Friction, das idyllisch am Rand eines Gewerbegebiets in Nettersheim in der Eifel liegt und wo man beim Blick aus dem Bürofenster auch schon mal in Rehaugen schaut, hat im letzten halben Jahr viel planen und ungeahnte Hürden überwinden müssen. „Wir haben schon andere Maschinen gekauft, aber so einen Aufwand mussten wir noch nie betreiben“, sagt er. Man könne sich gar nicht vorstellen, an was man alles denken müsse, um so eine Maschine sicher in die eigene Halle zu bekommen, meint er nachdenklich und schaut, als könne er immer noch nicht so recht glauben, dass sein „Baby“ endlich den Boden berührt hat und jetzt sicher am vorgesehenen Ort steht. Insgesamt, so Sauren, sei das „eine riesige logistische Herausforderung“ gewesen.

Aufwendige Vorbereitung und Planung

Die fing schon damit an, dass 44 Tonnen Gewicht nicht einfach so auf einem Hallenboden stehen können, ohne dass dieser nachgibt. Ein Statiker kam und stellte die Belastungsgrenzen sowie die Tatsache fest, dass nur eine Anlieferung aus der Luft möglich sei, weil man die Maschine nicht über den Boden fahren könne. Ein Bodengutachter prüfte, welches zusätzliche Fundament am Standort der Maschine eingelassen werden muss, damit der Untergrund dem Gewicht standhalten kann. Ein Betonbauer grub daraufhin fünf Brunnenringe mit je einem Meter Tiefe und 2,70 Meter Durchmesser und befüllte sie mit insgesamt rund 27 Kubikmeter Beton. Zusätzlich musste die Bodenplatte mit einem Spezialanstrich versehen werden, um zu verhindern, dass gegebenenfalls austretendes Öl oder Säure aus der Maschine ungehindert versickern und ins Erdreich gelangen kann. Ein Dachdecker wurde bestellt, der später genau jenen Teil des Hallendachs öffnen sollte, durch den die Presse ins Innere gelangte. Und schließlich musste auch der Transport des Schwergewichts gut vorbereitet werden. „Man kann so eine schwere Maschine ja nicht einfach auf einen Lastwagen packen und durch die Gegend fahren“, erklärt Melissa Göbgen, kaufmännische Leiterin bei PZ Friction, die maßgeblich am Erfolg des Projekts „Neue Presse“ beteiligt ist. Zehn Wochen vor dem geplanten Umzug der Maschine in ihr neues Zuhause musste ein Sondertransport für die Presse selbst und den Kran beantragt werden, für dessen Genehmigung vier Wochen ins Land gingen. „Erst dann konnten wir wirklich mit der Detailplanung beginnen“, so Melissa Göbgen.

Effizient und mit hoher Qualität

Der Aufwand, davon ist Klaus-Peter Sauren überzeugt, wird sich rechnen. „Die Auftragsbücher sind über Gebühr gefüllt, wir fahren im Moment drei Schichten“, erklärt er, das solle sich bald wieder ändern. Effizienter werde die Produktion, denn die neue Maschine arbeite nicht nur schneller, sondern auch noch auf zwei Etagen gleichzeitig. Und auch im Hinblick auf die Qualität werde die Pressmaschine ein Gewinn sein: „Wir sind damit in der Lage, kundenindividuelle Wünsche noch passgenauer zu erfüllen“, denn das sei schließlich eine der wichtigsten Kompetenz von PZ Friction – die flexible Herstellung auch von kleinen Stückzahlen bis hin zur Losgröße Eins für eine präzise Bedarfsdeckung.

Zum Abschluss ein Frühstück

Aber das kann warten bis morgen. Denn nach der ganzen Aufregung braucht der Geschäftsführer nun erst einmal ein Frühstück. Und auch Melissa Göbgen sowie die restlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben jetzt Hunger. Das wiederum ist gut für Bäcker Zimmer. Denn bei aller Freude über die Abwechslung und den ungewöhnlichen Anblick an diesem etwas trüben Morgen in Nettersheim, sind es in erster Linie der Appetit der Belegschaft und der Andrang an seinem Bäckerauto, die sein Geschäft beleben und dafür sorgen, dass er auch am nächsten Mittwoch und an vielen weiteren wieder ganz normal auf den Hof vor das Hallentor fahren und Brötchen verkaufen kann.

Die technischen Details

Die neue Pressmaschine hat ein Gewicht von 44 Tonnen und eine dynamische Last von 196 Tonnen. Für einen kompletten Schließvorgang benötigt sie 30 Sekunden (zum Vergleich: Ältere Maschinen brauchen dafür zwei bis drei Minuten). Für die Bodenplatte wurden fünf Brunnenringe mit je einem Meter Tiefe und 2,70 Meter Durchschnitt mit insgesamt rund 27 Kubikmeter Beton befüllt. Die Maschine steht auf einer öl- und säurebeständigen Spezialbeschichtung aus Epoxidharz, die verhindert, dass austretendes Öl oder Säuren ins Grundwasser gelangen. Für den Stromanschluss wurde eine neue Trafostation mit 1000 Kilovoltampere (kVA) gebaut, über die in Zukunft alle Maschinen bei PZ Friction laufen. Die Gesamtkosten für die Anschaffung inklusive erforderlicher Gutachten zur Statik, Fundament, Dachabdeckung, Transport, Bodenbeschichtung und Standortplatzierung belaufen sich auf rund 400.000 Euro.